"Netzwerk mehr Sprache" - ein erfolgreiches Projekt wird zum Programm

Nachdem sich das Projekt "SPRACHFREUDE - Nenzing spricht mehr" als nachhaltig wirkungsvoll und somit als erfolgreich gezeigt hat, hat die Vorarlberger Landesregierung an "okay.zusammen leben" den Auftrag gegeben, im Rahmen des Programms "mehr Sprache" eine neue Programmschiene zur Begleitung von motivierten Gemeinden in diesem Gebiet aufzubauen.

2011 haben die Marktgemeinden Hard, Rankweil und Frastanz mit dem Aufbau lokaler Netzwerke für eine gute und frühe Begleitung der Sprachentwicklung aller Kinder begonnen. Seit 2012 ist die Gemeinde Wolfurt mit dabei.

Zur Unterstützung und Begleitung dieses Prozesses hat "okay. zusammen leben" in Kooperation mit Andreas Holzknecht (OBHUT-Beratungsservice für Kinderbetreuung) ein Konzept für den Aufbau lokaler Netzwerke zur Begleitung der Sprachentwicklung in den Kommunen entwickelt.

Aufbau und Procedere

1. Informationsphase

Die Gemeinde (auch ein Verbund ist vorstellbar) erhält die Grundlagen zur Entscheidung, ob dieser Weg eingeschlagen werden soll. Politisch Verantwortliche müssen diese Entscheidung treffen.

2. Einstiegsphase

In einer Kerngruppe von 8 bis 15 Personen werden die anhand der 7 Qualitätsleitlinien für die Gemeinde relevante Ziele und Eckmarken definiert. Dieses Kernteam repräsentiert ein zukünftiges Netzwerk. Mit einem bewusst positiven Blick in die Zukunft wird schnell klar, wo mögliche Handlungsfelder sein können. Eine Netzwerkskizze wird erstellt. Am Ende dieser Einstiegsphase liegt ein Grundlagenpapier vor, welches als eine Art Leitbild den zukünftigen Weg der Gemeinde aufzeigt. Dieses Grundlagenpapier wird in den politischen Gremien besprochen und dient als Grundlage für eine Auftragserteilung zur (sehr viel zeitaufwändigeren) Entwicklungsphase. (Zeitaufwand: 6 Abendsitzungen)

3. Entwicklungsphase

Nach einer öffentlichen Kick-Off Veranstaltung werden mehrere Arbeitsgruppen gebildet - bestehend aus den Akteuren des Umsetzungsfeldes. Gleichzeitig wird eine Steuerungsgruppe in der Gemeinde eingerichtet. Die Themen dieser AG´s ergeben sich aus den Zielsetzungen des Grundlagenpapieres. Die Auftragsvergabe der Politik unterstreicht die "Glaubwürdigkeit" zur Umsetzungswilligkeit der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen. In diesen Arbeitstreffs werden zu all diesen Aufgabenfeldern Handlungsziele entwickelt, Ideen zur Umsetzung gesammelt und Maßnahmen ausgearbeitet. Aus jeder Arbeitsgruppe dienen die Ergebnispapiere gleichzeitig als Grundlage für die Umsetzungsphase. (Zeitaufwand je nach Anzahl der Arbeitsgruppen bis zu 30 Arbeitsgruppentreffen - aufgeteilt auf 7 Themenfelder und 7 verschiedene Personengruppen)

4. Umsetzungsphase

Der Umsetzungsprozess ist ein andauernder und ein lernender und wird regelmäßig evaluiert. Regelmäßige Treffen der Steuerungsgruppe, der Akteure und ein großes Netzwerktreffen pro Jahr machen deutlich auf wie vielen Ebenen zahlreiche Personen sich in dieses nun erkennbare Netzwerk einbringen.  

Wirkungen aus heutiger Sicht

1. Wirkungen: Allgemein und in den Gemeinden

  • deutlich erkennbare Vernetzung
  • breite Bewusstseinsbildung
  • neue "personelle und materielle" Ressourcen
  • breite Aufmerksamkeit und mehr Bedeutung für das Thema Sprache

2. Wirkungen in Politik und Verwaltung

  • klare Ziele sind bekannt und erklärt
  • umsetzungsreife Schritte sind geplant und budgetiert
  • Zuständigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen sind geklärt
  • Zuständigkeitsstruktur wurde geschaffen

3. Wirkungen in den vorschulischen Einrichtungen

  • deutliche Vernetzung - vertikal und horizontal
  • gemeinsame Standards, Perspektiven und Ziele sind im Einvernehmen
  • Kompetenz der Pädagoginnen ist gestiegen und wird intensiv weiterentwickelt (gemeindeinterne Fortbildungen)
  • Aufgabenfelder (in Sachen Förderung von Sprache) sind deutlich bekannt und im Alltag integrierbar.

"Netzwerk mehr Sprache" wurde mit dem 1. IAA ausgezeichnet

Im September 2014 wurde die Projektschiene "Netzwerk mehr Sprache" mit dem "intercultural achievment Award" ausgezeichnet. Die drei anderen Preisträger kamen aus Mostar (Bosnien), Kenia und China - und eben "Netzwerk mehr Sprache" aus Vorarlberg. Eine wirklich herausragende Anerkennung für dieses hervorragende Projektkonzept - und die überaus positiven Erfahrungen in der Anwendung.